Die Schlüssel zum Solarmarkt
In den letzten Jahren wurde Beachtliches für den Aufbau der deutschen Solarindustrie geleistet. Die Produktionskapazitäten haben sich vervielfacht, Tausende neuer Arbeitsplätze in Industrie, Mittelstand und Handwerk sind entstanden. Deutschland hat eine weltweite Spitzenposition bei der Photovoltaik errungen und besitzt nun die Chance, Solartechnik zur Leitindustrie des 21. Jahrhunderts zu entwickeln. Ob wir im harten internationalen Wettbewerb um einen der größten Zukunftsmärkte weiter die Nase vorn haben, liegt nicht zuletzt in den Händen der Politik. Verlässliche politische Rahmenbedingungen, der Abbau administrativer Hemmnisse und geeignete Finanzierungsmechanismen sind die Schlüssel zum weltweiten Solarmarkt. Es zählt zu den wichtigsten gesellschaftsübergreifenden Aufgaben, diese Potenziale zu mobilisieren und Deutschlands Spitzenposition als Technologie- und Innovationsführer weiter auszubauen.
Keine andere Technologie bietet unserem Land in den nächsten Jahren derartiges Potenzial: Zwischen 2005 und 2008 investierte allein die deutsche Photovoltaikbranche rund 6 Mrd. Euro in neue Werke und Vertriebsstrukturen. Zwischen 2009 und 2013 werden es rund 11 Mrd. Euro werden.
Photovoltaik/Solarstrom
| 1990 | 2008 | 2020 | ||
|---|---|---|---|---|
| Branchenumsatz | Mio. Euro | 8 | 9.500 | 9.600 |
| Arbeitsplätze direkt/indirekt | 53.000 | 100.000 | ||
| Installierte Leistung in Deutschland | MW/MWp | 1.400 | 5.300 | 25.000 |
| In Deutschland erzeugte Energie im Jahr | MWh/a | 1.000 | 4.300.000 | 245.000.000 |
| Kollektor-/Modulfläche | 1.000m2 | 6 | 4.800 | 28.000 |
| Jährlicher Zubau | MW/MWp | 0,55 | 1.650 | 3.500 |
| Exportquote dt. Unternehmen | Prozent | 48 | >70 |
EEG: Geburtshelfer einer Zukunftsbranche
Das 1991 von einer christlich-liberalen Regierung verabschiedete Stromeinspeisegesetz, von "Rot-Grün" im Jahre 2000 zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weiterentwickelt, ist wichtigster Marktöffner für den Photovoltaikmarkt. Experten aus aller Welt bescheinigen dem Gesetz inzwischen, erfolgreichster und zugleich effizientester Marktöffner für erneuerbare Stromtechnologien zu sein. Das EEG bietet der Branche Investitionssicherheit, ist Markt- und Innovationsanreiz zugleich. Der Bundeshaushalt wird dabei mit keinem Euro belastet.
Die Finanzierung erfolgt verursachergerecht und degressiv über eine gesetzlich garantierte Einspeisevergütung, die auf den Strompreis aller Energieverbraucher umgelegt wird. Das Gesetz ist Geburtshelfer, Standortfaktor und Sprungbrett zum Weltmarkt. Für einen Bruchteil des Geldes, das in den letzten Jahrzehnten in den Ausbau der Kohle- und Atomenergie geflossen ist, ist eine Zukunftsbranche aus der Taufe gehoben worden. Über- oder Dauerförderung sind ausgeschlossen, die Kosten für jeden Haushalt werden nach repräsentativen Umfrageergebnissen gern gezahlt.
Zum Vergleich: Die Kohlesubventionen belasteten jeden Bundesbürger zeitweise mit dem Faktor 10, Klimafolgekosten noch nicht mitgerechnet.
Kein anderer Fördermechanismus ist weltweit so erfolgreich und ermöglicht so viele aussichtsreiche Unternehmensgründungen, so hohe Zuwachsraten, einen so rasanten technischen Fortschritt und eine so starke Kostensenkung wie das EEG. Allein in Europa haben inzwischen zahlreiche Länder den EEG-Mechanismus als Marktöffner übernommen.
Handlungsdefizite bei Solarwärme
Langfristig lassen sich 100 Prozent des Wärmebedarfs durch Erneuerbare Energien decken, rund ein Drittel davon aus Solarenergie. Es ist höchste Zeit, diese Potenziale zu erschließen, zur Sicherung der Energieversorgung, als unverzichtbarer Beitrag zum Klimaschutz und zur Mobilisierung gewaltiger Beschäftigungs- und Wachstumspotenziale in der Bau- und Heizungsbranche.
Während Erneuerbare Energien inzwischen zu rund 15 Prozent zur deutschen Stromversorgung beitragen, liegt ihr Anteil im Wärmemarkt bei lediglich gut 7 Prozent. Von den im Jahr 2008 rund 600.000 neu installierten Heizungen nutzen bisher 30 Prozent die Kraft der Sonne.
Während der Photovoltaikmarkt seit Jahren hohe zweistellige Wachstumsraten aufweist, stagniert der Markt für Solarkollektoren zeitweilig.
Fast 90 Prozent des Energieverbrauchs privater Haushalte entfallen auf die Wärmebereitstellung. Ein mangelhafter Schutz vor explodierenden Heizkosten belastet zunehmend Bevölkerung und öffentliche Kassen. Isolierverglasung und Wärmedämmung sind inzwischen gesetzlicher Standard.
Beim Heizen bleiben die Chancen für Klima- und Verbraucherschutz hingegen weitgehend ungenutzt. Es ist höchste Zeit, diesen "schlafenden Riesen" zu wecken. Andernfalls sind auch die selbst gesteckten politischen Zielsetzungen von EU und Bund nicht einlösbar.
Solarthermie - Solarwärme
| 1990 | 2008 | 2020 | ||
|---|---|---|---|---|
| Branchenumsatz | Mio. Euro | 50 | 1700 | 8.480 |
| Arbeitsplätze direkt/indirekt | 25.000 | 106.000 | ||
| Installierte Leistung in Deutschland | MW/MWp | 175 | 7.900 | 59.000 |
| In Deutschland erzeugte Energie im Jahr | MWh/a | 62.000 | 5.300.000 | 32.000.000 |
| Kollektor-/Modulfläche | 1.000 m² | 35 | 11.000 | |
| Jährlicher Zubau | MW/MWp | 25 | 1.000 | 8.400 |
| CO2-Reduzierung | Tonnen | 22.000 | 1.000.000 | 12.000.000 |
| Kostensenkung von 1990 bis | pro MW | 40 % | 66 % |
Gesetzinitiative zur Sicherung bezahlbarer Wärme
Anfang 2009 trat das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EEWärmeG) des Bundes in Kraft. Zuvor war im April 2008 das Wärmegesetz des Landes Baden-Württemberg in Kraft getreten. Während sich das Bundesgesetz auf eine Nutzungspflicht für erneuerbare Energien in Neubauten beschränkt, schreibt das baden-württembergische Gesetz auch Pflichten beim Kesseltausch (Modernisierung) in Bestandsanlagen vor. Mit dem EEWärmeG hat der Bund die Fördermittel im Marktanreizprogramm (MAP) auf jährlich bis zu 500 Millionen Euro erhöht. Davon profitiert auch die Solarenergie. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass der schwache Neubaumarkt die Energiewende in der Gebäudeversorgung nicht erreichen kann. Denn die Neubauquote lag Mitte 2009 bei unter 1 Prozent. Deshalb ist die Ausdehnung der bundesweiten Nutzungspflicht für erneuerbare Energien auch bei Modernisierungen dringend notwendig. Der Gebäudebestand erzeugt rund ein Drittel aller klimaschädlichen Emissionen. Aufgrund der staatlichen Förderung und der Preise für Heizöl und Erdgas gewinnen jedoch Solarkollektoren, Pelletfeuerungen und Wärmepumpen zunehmend Marktanteile.
